Interview mit einem Storch Teil 2

Hallo liebe Neusiedler!

Habe mich schon eine ganze Weile nicht mehr gemeldet. Keine Sorge, ich bin nicht verschwunden, war nur SEHR beschäftigt mit der Futtersuche um mich nach der langen Reise fit für die Familiengründung zu machen. Meine Gefährtin und ich erkundeten unser Neusiedl am See bei unseren täglichen Rundflügen um richtig fette Frösche, Heuschrecken, Fische, Würmer, Schnecken (nur die mit Häusern – die Nackerten schmecken uns nicht) Insekten, Maulwürfe, Schlangen und Mäuse ausfindig zu machen. Um satt zu werden brauchen wir täglich ca. ein halbes Kilo davon, unsere Jungen benötigen, um groß und stark zu werden, ca. 1,2 kg pro Tag. Unser Lebensraum hat sich seit dem letzten Jahr verändert, teilweise erkannte ich unsere alten Futterplätze nicht mehr. Einige Bäume sind verschwunden, besonders entlang der Bahngleise Richtung der großen Stadt und diese weißen Bäume, mit den langen spitzen Ästen die sich besonders bei Wind drehen, auf der Parndorfer Platte, dürften auch mehr geworden sein. Unser Lieblingsfutterplatz ist ganz in der Nähe von unserem Nest , dort wo es Gärten, Wiesen und Äcker gibt, hier finden wir unsere Mahlzeit ohne große Mühe, das Gras ist nicht zu hoch und Menschen gibt es auch nicht gar so viele die uns beim Essen stören. Aber auch dieser Futterplatz hat sich verändert, Menschen haben große weiße Häuser drauf gebaut. Dieser Platz ist Jahr für Jahr kleiner geworden, ACH, jetzt müssen wir ich noch weiter fliegen um satt zu werden..!

Vielleicht wisst ihr das nicht, aber um genügend Nahrung für uns und unseren Nachwuchs zu finden, müssen die Nahrungsflächen genügend groß sein – so ca. 200 ha brauchen wir für unsere Storchenfamilie – und sie müssen in der Nähe der Brutplätze liegen. Da haben es die Ruster super! Die haben uns geklappert, dass die Menschen eine große Feuchtwiese ganz in der Nähe für sie schützen, hegen und pflegen. Dort tummeln sich unsere Verwandten und die Graugänse finden auch genug leckere Sachen.

Beim letzten Flug in unser Winterquartier nach Afrika traf ich einige Verwandet aus Deutschland, na, die haben sich vielleicht aufgeregt! Sie wollen nicht mehr zurück nach Deutschland, dort verloren sie Jahr für Jahr mehr von ihren Futterplätzen, jetzt suchen sie sich eine andere Heimat. Die Armen, hoffentlich gefällt es ihnen beim Überflug bei uns nicht zu gut und bleiben vielleicht auch noch in Rust „hängen“, sozusagen „Flüchtlinge“. Aber die Ruster freuen sich jedes Jahr riesig, wenn mehr von uns kommen und brüten, da haben ein paar „Deutsche“ auch noch Platz, wir sind ja Multikulti.

So, jetzt habe mich mit der Schilderung von Ernährung und Nahrung verzettelt, aber die Gaumenfreuden sind eine wichtige Sache, darauf legen wir Burgenländer großen Wert, Störche wie Menschen!

Familiengründung

Wie bei uns Störchen die Paarung genau passiert, dass möchte ich nicht im Detail schildern, wir haben ohnehin ein offenes Schlafzimmer und von der Straße aus, kann das jeder beobachten , also keine intimen Details… raufschauen genügt und ihr wisst Bescheid, über das Liebesleben der Störche!

Und jetzt verrate ich euch ein Geheimnis:

Am 10.Mai ist unser ersten Störchlein aus dem Ei geschlüpft, am 11. das Zweite, am 12.das Dritte und am 15.das Vierte! Wir sind Eltern von 4 Störchlein geworden! ! Alles stramme Kinder! Wir trotzten dem kalten Wetter, dem Regen und Sturm und haben abwechseln die letzten 30Tage die Eier warm gehalten, nur nachts hat meine Liebste das Brüten alleine übernommen. Sind wir nicht etwas ganz Besonderes?!

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